Surround White Papers
Dynamik-Bearbeitung von Surround Programm

Autor: Gerd Jüngling - Copyright: Alle Rechte vorbehalten
Verwendung oder Kopie, auch auszugsweise, bedürfen unserer ausdrücklichen, schriftlichen Zustimmung


 Seite 1 | Seite 2 | Seite 3 | Seite 4 |
Mono- und Stereokompressoren gibt es wie Sand am Meer. Schwierig wird es allerdings, wenn man versucht, einen Regelverstärker für 5.1 Formate zu finden. Hier ist man letztlich darauf angewiesen, mehrere Mono- oder Stereogeräte notdürftig miteinander zu verkoppeln und sich dann mit den eingeschränkten und nicht formatgerechten Regelmöglichkeiten abzufinden.

Worin liegen aber nun die eigentlichen Probleme bei der Dynamikbearbeitung von Surround-Signalen und welche Möglichkeiten gibt es, hier eine 'artgerechte' Arbeitsweise zu realisieren? Beginnen wird mit ein paar Basics.

Kompressor - Limiter - Expander - warum und wozu?
Für die universelle Dynamikbearbeitung einer fertigen Mischung werden drei Elemente benötigt. Der Kompressor soll das Signal verdichten und Dynamikunterschiede ausgleichen. Er muss in weiten Grenzen einstellbar sein, um ein großes Spektrum an Möglichkeiten anzubieten. Hierbei gilt diese Forderung nicht nur für Threshold und Ratio, sondern auch und vor allem für die Beeinflussung des Ein- und Ausschwingvorgangs. Das klangliche Verhalten eines jeden Kompressors wird in erster Linie durch die Einstellung der Attackzeit bestimmt. Dies ist auch theoretisch sehr leicht nachzuvollziehen, da das menschliche Ohr einen Klang an der Zusammensetzung der Harmonischen im Einschwingvorgang erkennt. Verändert man den Einschwingvorgang durch eine Kompression, so ändert sich logischerweise auch der Klang. Jede Änderung der Attackzeit bewirkt auch gleichzeitig eine deutlich hörbare Veränderung des Klangs, solange die Attackzeit nicht so kurz ist, dass das Ohr keine Möglichkeit mehr hat eine Veränderung zu erkennen. Ist die Attackzeit extrem lang, findet ebenfalls keine hörbare Veränderung mehr statt, da dann der Einschwingvorgang den Kompressor ungeregelt passiert. Der wichtige Bereich für die Veränderung der Klangcharakteristik liegt zwischen ca. 1 msec und etwas mehr als 10 msec.

Von gleich großer Bedeutung ist die Aufblendzeit des Kompressors, die die Geschwindigkeit bestimmt, mit der nach einem Signal mit hohem Pegel wieder aufgeregelt wird. Ist diese Releasezeit sehr langsam, arbeitet der Kompressor als 'Aussteuerungsautomatik'. Die langsame Geschwindigkeit der Aufregelung verhindert eine Verdichtung des Signals und ist damit für die meisten Anwendungen ungeeignet. Um eine effektive Verdichtung, die mit einer relevanten Erhöhung der Lautheit einhergeht zu realisieren muss die Releasezeit sehr kurz gewählt werden. Hier tauchen zwei gegensätzliche Effekte auf, die die Releasezeit für diese Anwendung nach oben und nach unten begrenzen. Die Erholzeit des menschlichen Ohrs ist mit ca. 300 msec relativ kurz. Dauert ein Regelvorgang länger, so wird er auch gleichzeitig hörbar. Bei einer Kompression führt dieser Effekt zu hörbarem 'Hochpumpen' des Signals nach der Abregelung einer Spitze. Verringert man die Releasezeit unter diesen Wert, erreicht man schnell den Bereich, indem der Kompressor so schnell aufregelt, dass die Regelung bereits im Verlauf einer Schwingung niedriger Frequenz einsetzt. Die Schwingung wird damit in ihrem normalen Verlauf verändert und somit verzerrt. Dieser Effekt tritt umso eher auf, je größer der Regelhub und je niedriger die geregelte Frequenz ist. Die Sache läuft auf einen Kompromiss zwischen hörbarem Pumpen und hörbaren Verzerrungen im Bassbereich hinaus. Es ist daher wichtig, dass die Releasezeit in dem Bereich um etwa 300 msec feinfühlig einstellbar ist und nach oben wie nach unten ausreichende Regelreserven vorhanden sind. Ferner sind Zusatzschaltungen, die die Bassverzerrungen abmildern können in jedem Fall von Vorteil.

Link auf diesen Artikel
zurück zum Index weiter


Tell A Friend
Newsletter Eintrag:

Add to Favorites